Bericht.
Schreiben an den Bürgermeister bezüglich der Erneuerung der Heizung des Berggasthofes:
Ebermannsdorf, den 30.05.07
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,
in dem Bericht über die letzte Gemeinderatssitzung in der AZ vom 24.05.07 haben wir gelesen, dass im Berggasthof wieder eine Ölheizung installiert werden soll. Dies steht unserer Meinung nach im Gegensatz zu den im Leitbild beschlossenen Zielen. Wir zitieren aus dem Handlungsfeld „Energie, Umwelt und Natur“ auszugsweise:
Hauptziel
Dies wollen wir erreichen durch
- die verstärkte Nutzung regenerativer Energieträger,
- den Einsatz umweltschonender und emissionsarmer Technologien und Wirtschaftsweisen.
Teilleitziele
- Die Gemeinde hat bei Energie- und Umweltbelangen Vorbildfunktion
z:B: Einsatz erneuerbarer Energien, Energiesparmaßnahmen, ...
- Wir sind uns unseres Verhaltens bewusst und orientieren uns an diesen Leitzielen!
- Wir alle gemeinsam arbeiten am Erreichen der o.g. Ziele.
Andererseits ist aus dem AZ-Artikel auch zu entnehmen, dass für das Warmwasser Sonnenkollektoren vorgesehen sind. Es wurde also durchaus an die Nutzung der Sonne und die CO 2 –Minderung gedacht. Dies empfinden wir als sehr positiv.
Hoffentlich verstehen Sie, dass wir bezüglich des Umsetzens der LB-Ziele einigermaßen verunsichert sind. Deshalb bitten wir Sie um eine Stellungnahme zu folgenden Fragen:
- Gibt es ein energetisches Gesamtkonzept für den Berggasthof und wie sieht es aus?
- Welche Gründe sprechen für den Einbau einer Ölheizung?
- Spielten bei der Entscheidung Gründe wie
- Unabhängigkeit vom Erdöl
- Wertschöpfung aus der Region
- Vorbildfunktion für Hausbesitzer und Bauherren, deren Heizungserneuerung bzw. –installation ansteht,
keine Rolle?
Bitte, bedenken Sie, dass wir alle – jeder Einzelne – bei der Eindämmung der bereits ablaufenden Klimakatastrophe in der Verantwortung stehen. Sollte tatsächlich im Berggasthof wieder eine fossile Heizanlage installiert werden, setzt die Gemeinde ein äußerst negatives Signal. Viele Hausbesitzer und Bauherren werden das Beispiel als Alibi für ihr eigenes Handeln nehmen. – Und das bei dem positiven Image, das sich die Gemeinde in den letzten fünf Jahren gerade im Agenda-Prozess im Landkreis und darüber hinaus erworben hat. Die Marschrichtung der CSU (AZ vom selben Tag) unterstreicht die Ziele für den notwendigen Klimaschutz und entspricht voll unseren Ambitionen. Deshalb erscheint es uns umso verwunderlicher, dass überhaupt an eine Ölheizung im Berggasthof gedacht wurde.
Der Energie- und Umweltausschuss des Kreistags beschloss vor kurzem, einen Energieplan ähnlich dem des Landkreises Ansbach für unseren Landkreis zu erstellen und hat den Agenda-Beirat mit der Entwicklung beauftragt. Ziel ist die autarke Energieversorgung bis zum Jahr 2020, d.h. 100 % Energie aus der Region.
In vielen Gemeinden wird die Fachkompetenz von Agenda-Leuten zum Nutzen der Allgemeinheit beansprucht. Sie suchen und finden nachhaltige Lösungen. Die billigste ist dabei auf Dauer gesehen nicht unbedingt die wirtschaftlichste. Eine Heizung ist für mindestens 20 Jahre konzipiert.
Die Amberger Stadtwerke rechnen in den nächsten fünf bis acht Jahren mit einer Verdoppelung und bis in die zwanziger Jahre mit einer Verdreifachung der fossilen Energiekosten, wogegen die erneuerbaren Energiepreise nicht in diesem Maße steigen werden.
Der bayerische Umwelt-Minister Werner Schnappauf fordert ausdrücklich die Zusammenarbeit von Entscheidungsträgern mit Agenda 21-Leuten, weil sonst wertvolle Fachkompetenz brach liegen bleibt.
Bürgermeister und Gemeinderäte, die die Brisanz der Klimaentwicklung noch immer nicht akzeptieren, entziehen sich ihrer ethischen Verantwortung.
Wir hoffen, Sie gehören nicht dazu.
Mit freundlichen Grüßen
AK Energie, Umwelt und Natur
Manfred Klemm – Agenda-Beauftragter
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