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Bericht.

Agenda Hauptversammlung 2006

Ebermannsdorf. (wec) / (awe). Alles fing so optimistisch und voller Tatendrang an, damals vor fünf Jahren, als sich die lokal Agenda-Bewegung in der Gemeinde gründete. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung zog jedoch ein deutlich deprimierter Hauch durch den Berggasthof. Manfred Klemm begrüßte die überschaubare Zahl der Gäste als Agenda-Beauftragter und machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. Er bilanzierte die vergangene Zeit insgesamt, widmete sich dann aber verstärkt dem traurigen Ist-Zustand des Agenda-Prozesses.

Klemm freute sich zwar, dass das Leitbild der Agenda nach zwei Jahren Vorbereitungszeit im Juli einstimmig – und merkwürdigerweise auch ohne jede Gegenfrage oder Einwände - vom Gemeinderat beschlossen wurde. Er gab aber auch seiner Hoffnung Ausdruck , dass ihn sein Gefühl täuschen möge, das ihm damals sagte, der Leitfaden wäre für die Gemeinderatskollegen eine „Im Grunde zwar ganz gute - zumindest nicht schädliche - aber dennoch lästige Angelegenheit“. Dass dank des Einsatzes der fünf Arbeitskreise, ihrer Sprecher und seines Stellvertreters, Hans Bauer, bemerkenswerte Leistungen für die Allgemeinheit erbracht worden sind, sei jedoch beachtlich und Anlass zur Freude. Gleichzeitig stellte er die Frage in den Raum, wie weit es gelungen sei, die Prinzipien und Ideen der Agenda 21 zu vermitteln, die Mitbürger zu mehr Engagement zu animieren, nachhaltige Lösungen zu Energiefragen zu bevorzugen oder dem Klimawandel bewusst gegenzusteuern.

Manfred Klemm betonte das Hauptanliegen des Leitbildes, das im Zusammenführen und Zusammenwachsen der Gemeindeteile liege. Dazu gehöre einerseits das verstärkte gegenseitige Teilnehmen an Veranstaltungen, andererseits aber auch das aktive Miteinander, beispielsweise in puncto Lärmbelästigung durch die B85. Für ihn das wichtigste Thema überhaupt sei die Energiefrage, die die Überlebensfrage der Menschheit darstelle. Nur mit einer naturkonformen Lösung könne der Klimawandel mit seinen katastrophalen Auswirkungen noch eingedämmt werden. Eine wesentliche Komponente dabei sei das Umdenken der Menschen. Dazu wäre unter anderem die Meinung von Führungspersonen in der Gemeinde wichtig, die als Multiplikatoren eine prägende Bedeutung habe. Leute, die in einer solchen Vorbildfunktion „Energiesparen für sinnlos, uneffektiv, oder gar für lächerlich halten, fahren auf alten, ausgedienten Gleisen und behindern den Weg in die Zukunft“, so Klemm.

Das Motto „Gemeinsam die Zukunft gestalten!“ brauche Menschen, die sich dafür einsetzen, der nachfolgenden Generation lebensfähige Bedingungen bereit zu halten. Nach Klemms Empfindung sei jedoch zur Zeit eine gewisse Stagnation zu spüren. Die Leute hätten sich daran gewöhnt, dass die Arbeitskreise fleißig Probleme aufgreifen, sich beraten und Lösungen erarbeiten und seien damit zufrieden. Der lokale Agenda-Prozess müsse jedoch dynamisch sein und bleiben. Es müssten immer wieder neue Leute zum Mittun gewonnen werden, damit der Prozess nicht zum Auslaufmodell werde.

Klemms Stellvertreter, Hans Bauer, schloss sich den Worten seines Vorredners an und dankte ihm für sein unermüdliches Engagement für die Agenda. Er lobte auch die Arbeitskreise, die sehr gut funktionieren und äußerst aktiv seien. Einzig der Arbeitskreis Jugend habe sich nach einem starken Neuanfang im Frühjahr 2006 sang- und klanglos von der Bildfläche verabschiedet, was allgemein sehr bedauert wurde. Bauer unterstützte den Vorschlag, das formulierte Leitbild der Gemeinde als gut lesbare und übersichtliche Broschüre allen Haushalten zukommen zu lassen.

Für den Arbeitskreis „Dorfentwicklung“ berichtete Hermann Liebl als Sprecher von den umgesetzten Aktionen. Die Parkmoral in der Gartenstraße konnte mittels Info-Flyer, die den entsprechenden „Auf-dem-Gehweg-Parkern“ hinter die Scheibenwischer geklemmt wurden, und deren darauf folgendes Einsehen, deutlich verbessert werden. Auch die Verkehrsberuhigung im Bereich von Schule und Kindergarten zeige Erfolg, wenn auch nicht alle Autofahrer erfreut darüber seien. Durch die Hindernisse würden die Autofahrer zum langsamen Fahren in diesem sensiblen Bereich gezwungen, nachdem weniger drastische Maßnahmen nicht gefruchtet hätten. Nach dem Winter werden die Fahrbahnverengungen dauerhaft befestigt. Zur Erweiterung der Trainingsplätze für die Spielvereinigung sei man bereits aktiv auf der Suche nach einem passenden Gelände.

Reinwald Hofstetter, bisheriger Sprecher des Arbeitskreises „Landwirtschaft“, hat bereits im Vorfeld sein Amt niedergelegt und gab sein Statement zu seinen Beweggründen ab. Zunächst begrüßte er jedoch einige ehemalige Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den geplanten Sendemasten, die sich inzwischen aktiv an der Agenda beteiligen. Hofstetter bedauerte die rückläufige Entwicklung seines Arbeitskreises, in das er „viel Herzblut“ während seiner dreieinhalbjährigen Zeit als Sprecher reingehängt habe.Der persönliche Aufwand an Energie stehe in keinem Verhältnis zum dafür entgegen gebrachten Interesse in der Bevölkerung. Er fühle sich allein gelassen und demotiviert. Auch von Seiten der Gemeinde habe er wenig bis keine Unterstützung erhalten. Als offiziell bestellter Energiebeauftragter habe er seine Aufgabe ernst genommen und viel Zeit und Energie investiert, und sei nun enttäuscht von der allgemeinen Interesselosigkeit. Er werde jetzt nur noch praktizierendes Vorbild sein und versuchen, auf diesem Weg das zu vermitteln, worauf es ihm und der Agenda ankomme.

Einfacher habe es da der Arbeitskreis „Kultur“, der durch sein vielseitiges Angebot an Veranstaltungen immer wieder auf großes Interesse bei der Bevölkerung stoße. Alexander Grassl erinnerte als sein Sprecher an die erste Ebermannsdorfer Kirwa, das beliebte Gemeindeblatt oder den Mundartabend, der am 2. Dezember im Berggasthof sicher wieder viele Gäste verzeichnen könne. Grassl zollte Hofstetter größten Respekt für sein Engagement und bat gleichzeitig, nicht aufzugeben, die eigene Identifikation mit dem Agenda-Gedanken in die Bevölkerung zu transportieren. Er blickte stolz auf seine umtriebigen Mitwirker. „Sie legen sich zwar gerne an, aber es passiert auch was. Steter Tropfen höhlt den Stein...!“, so der AK-Sprecher.

Bürgermeister Albert Gruber zeigte sich schockiert über das negative Bild innerhalb der Agenda-Verfechter. Er selbst sei zu Beginn der Bewegung sehr skeptisch gewesen, stelle jedoch inzwischen fest, dass der Stein bereits gut ins Rollen gebracht worden sei. Gruber schätze die Leistung Hofstetters sehr, sehe aber keine Möglichkeit, ihm einen Gemeindemitarbeiter zur Unterstützung seiner Projekte bereit zu stellen. Auch er sei enttäuscht, dass die Arbeit der Agenda so wenig angenommen werde. Als Leitung des Arbeitskreises Jugend plädierte er für einen Erwachsenen, der entsprechende Disziplin und Engagement mitbringe. Zuletzt bat er die Arbeitskreismitarbeiter inständig, weiterzumachen mit der Agenda.

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