Bericht.
Zeitungsbericht zum Agenda-Aktionstag
Ebermannsdorf (kne). „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ unter diesem Motto stand der im Rahmen der Feierlichkeiten zur 1000-Jahr-Feier am vergangenen Wochenende in Ebermannsdorf stattgefundene AGENDA-Aktionstag. Aussteller aus den verschiedensten agenda-relevanten Bereichen zeigten auf, wie vielfältig die Umsetzung der Agenda 21 – der Tagesordnung für das 21. Jahrhundert – aussehen kann. Im Zusammenspiel der AGENDA-Arbeitskreise, der örtlichen Vereine und gewerblicher Aussteller konnten sich die Besucher informieren und an den Ständen der AGENDA-Arbeitskreise auch ihre Ideen mit einbringen. Verschiedene Vorträge über den ganzen Tag verteilt brachten ebenfalls wissenswerte Erkenntnisse und auch die Betreuung der Kinder – für die ja die Zukunft gestaltet werden soll – war durch ein kreatives Kinderprogramm gesichert. Neben Papierfliegerbasteln standen auch Malen und Basteln von Bastsegelschiffen auf dem Programm. Eifrig bei der Sache waren dabei sowohl die Kleinen als auch die etwas größeren, die vom Elternbeirat der Schule und den Miniclubs betreut wurden.
1. Bürgermeister Albert Gruber ging in seiner Eröffnungsrede darauf ein, dass nur aus einer gesunden Mischung von Lernen aus der Vergangenheit, bewusstem Umgehen mit der Gegenwart und verantwortungsvollem Planen für die Zukunft der Grundstock für die Zukunft der späteren Generationen gelegt werden kann. Ein Ansatz, der in die richtige Richtung führe, sei der Prozess der Agenda 21 der zeige, dass Bürgerinnen und Bürger sich gerne aktiv an der Gestaltung ihrer Gemeinde, ihres Umfeldes beteiligen möchten und auch können. Die Agenda 21 habe es mit dem heute stattfindenden Agenda-Aktionstag geschafft, über ihre Arbeitskreise hinaus Vereine und Firmen, kirchliche und soziale Organisationen, Gruppierungen und Privatpersonen zu begeistern und zum mitmachen zu bewegen, so Gruber. Er dankte den Agenda-Beauftragten der Gemeinde, Herrn Manfred Klemm und Herrn Johann Bauer, ohne deren unermüdlichen Einsatz es mit dem Agenda-Aktionstag nicht die Gelegenheit gegeben hätte zu erfahren, was Agenda für einen Ort bedeute.
MdL Heinz Donhauser verwies in seinem Grußwort auf die bevorstehenden großen Veränderungen in naher Zukunft zum Beispiel durch die EU-Osterweiterung am 1. Mai. Über Jahrzehnte sei der innovative Vorsprung die Stärke Deutschlands gewesen, wodurch es auch möglich war, sich einiges zu leisten. Leider wurden viele Möglichkeiten bei denen Innovation möglich gewesen wären aus Deutschland verdrängt und noch heute laufe der Prozess, dass innovative Firmen die BRD verlassen und dadurch Arbeit verloren gehe. Dieser Prozess müsse durch Veränderungen unterbrochen werden und dies sei nicht nur die Aufgabe des Staates sondern aller Bürgerinnen und Bürger.
Als „so alt und doch so jung“ bezeichnete Landrat Armin Nentwig die Gemeinde Ebermannsdorf, die, in gleicher Weise, wie sie stolz in die Vergangenheit sehe und zur Tradition und Geschichte Ebermannsdorfs stehe, auch in die Zukunft blicke. Mit Weitblick und Mut wurde die Gemeinde für die Zukunft gerüstet, so Nentwig. Die Gemeinde Ebermannsdorf sei diesbezüglich schon immer Vorbild gewesen. Ein besonderes Kompliment gelte hier dem Bürgermeister und dem Gemeinderat, die neue Wege aufzeigen. Man müsse sich auf die eigene Kraft besinnen, forderte Nentwig.
Johann Bauer informierte die anwesenden Gäste über die Schritte, die zur Gründung der Agenda-Bewegung in der Gemeinde geführt haben. Derzeit bestehe die Agenda aus dem Agenda-Hauptkreis und den fünf Arbeitskreise „Landwirtschaft“, „Energie“, „Dorfentwicklung“, „Jugend“ und „Kultur“. Jede Bürgerin und jeder Bürger, der hier aktiv mitarbeiten möchte, sei herzlich willkommen. „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ heiße, unter Einbindung der Bürger realistisch gestalten. Sein besonderer Dank ging an die ausstellenden Firmen.
Den Hauptvortrag des Tages hielt Bürgermeister Bruno Scheiner aus Greußenheim (Landkreis Würzburg). Er zeigte auf, wie das in Jahrmillionen entstandene Erdöl geplündert und innerhalb kurzer Zeit Unmengen von CO² freigesetzt werde. Mittlerweise merke jeder, dass sich die Erde mitten in einem Klimawandel befinde. In anschaulichen Beispielen schilderte er die Auswirkungen dieses Klimawandels. „Die Energie ist heute 20.000 km unterwegs, bis sie bei uns landet, während unsere Großeltern sie vor der Haustüre aus dem Wald holte“, so Scheiner. Es werde viel Geld an die Scheichs für die Öllieferungen gezahlt, um durch den CO²-Ausstoß unsere Energiequelle Nr. 1, den Wald, kaputt zu machen. Seine Gemeinde habe sich die Frage stellt, wie dies geändert werden könne und sich deshalb dazu entschlossen, ein Baugebiet auszuweisen, in dem keine Öl- oder Gasheizungen betrieben werden dürfen, sondern jeder an ein Pflanzenöl-BHKW anschließen musste. Es wurde eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gegründet, in der jeder Häuslebauer Gesellschafter sei. Die Gemeinde sei der Initiator dafür gewesen. Das BHKW werde mit Pflanzenöl aus der heimischen Wirtschaft betrieben, was der Landwirtschaft einen neuen Erwerbszweig eröffnet habe. Mittlerweile gebe es viele Möglichkeiten aus allem was organisch sei Ökosprit herzustellen, z.B. auch aus Gras oder Silage. Ein weiteres Projekt sei gewesen, die gemeindlichen Gebäude an eine Holzhackschnitzelheizung anzuschließen. 1 m² Buchenholz habe genauso viel Brennwert wie 200 ltr. Heizöl, nämlich 2000 Kilowattstunden. Die Versorgung über Fernwärmeleitungen funktioniere problemlos, so Bürgermeister Scheiner, der der mit seinem Vortrag die Gäste begeisterte. Landrat Armin Nentwig brachte den Vorschlag ein, mit den Bürgermeistern des Landkreises die Projekte in Greußenheim zu besichtigen um zu versuchen, die dort verwirklichten Ideen auch in der einen oder anderen Gemeinde des Landkreises umzusetzen. Bürgermeister Albert Gruber (in historischer Gewandung) überreicht seinem Kollegen Bruno Scheiner aus Greußenheim als Andenken für seinen interessanten Vortrag den Jubiläumswürfen „1000 Jahre Ebermannsdorf“.
So auf die Agenda-Themen eingestimmt machten sich die Gäste und Besucher auf den Weg, sich an den Ausstellungsständen weiter zu informieren, bei Kaffee und Kuchen das eine oder andere Projekt noch durchzudiskutieren oder sich bei den weiteren Vorträgen des Tages über wissenswertes informieren zu lassen. So referierte Brigitte Trummer, Hauswirtschaftsmeisterin aus Hahnbach, pünktlich zur Mittagszeit zum Thema „Nahversorgung ist Lebensqualität“ und ging auf die Vorzüge der heimischen Landwirtschaft und ihrer Produkte ein. Dipl.Ing. Willi Schmid aus Regensburg informierte über die „energetische Bewertung von Gebäuden“, Dipl.Ing. Harth aus Amberg über die „Dorfentwickung heute“ und Ekkehard Brühschwein aus Hahnbach ging in seinem Referat darauf ein, dass es höchste Zeit für eine Energiewende sei. Eckart von Eyb aus Ebermannsdorf zeigte in seinem Vortrag „Wellness für sei Seele“ in lebensnahen, anschaulichen Beispielen auf, wie wichtig Gott für das Leben ist. Jesus sei „der Weg, die Wahrheit und das Leben“, ein Leben ohne ihn sei wie ein Fernseher ohne Antenne: Man könne zwar den Ton hören und auch verwischte Bilder wahrnehmen, gestochen scharfe Bilder erhalte man aber nur mit einer Antenne, so Eyb.
An vielen interessanten Ständen konnten sich die Besucher über die gesamte Palette agenda-relevanter Themen informieren – von den Themen Energie, Heizung, Bauen-Renovieren-Sanieren bis hin zur Hofvermarktung, dem gesellschaftlichen Leben und dem Kulturhandwerk. An den Ständen der Agenda-Arbeitskreise konnte man sich über die vielfältigen Aktionen informieren. Über ein Tretrad konnte ein Radio betrieben und so die Umwandlung von Kraft in Energie deutlich gemacht werden und am Stand des AK Landwirtschaft wurde u.a. eine Rapsölpresse betrieben.
Ein Höhepunkt des Tages war sicherlich die „kurze Reise ins Mittelalter mit Tanz, Gesang und Gedichten“, bei der die Kindergartenkinder gekonnt zeigten, wie es im Mittelalter so vor sich ging. Ein Ritter, der wegen seiner klappernder Rüstung, die Rufe seiner Frau, dass die Schweinshacke fertig sei, überhörte war ebenso vertreten, wie mittelalterliche Tänze und das Gedicht von der Sau, die ein Dorf rettete.
Bei Kaffee und Kuchen konnte man sich am Stand des Elternbeirates des Kindergartens stärken – und man wusste wahrlich nicht, für welches Stück man sich bei der riesigen Auswahl entscheiden sollte. Mit den sonstigen Getränke, Weißwürsten, Wienern und warmen Leberkäse hielt der Wirt des Berggasthofes, Michael Jugovic, die Besucher bei Kräften.
An die den ganzen Tag dauernden Ausstellung schloss sich ein „Bunter Abend“ an, der von vielen Gruppen aus dem Gemeindebereich Ebermannsdorf sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet wurde. So gab es neben verschiedenen musikalischen Einlagen durch den Singkreis Pittersberg, Heinz Mack und Alfons Hollweck an der „Quetsch’n“, der Jugendband „Slicking Slackers“ und der neuen Formation „SixPacks“, die bis in die Nacht unterhielten, auch Wortbeiträge, bei denen von nachdenklich bis humorvoll alle Register gezogen wurden. Beim Sketch „Da kann nur noch Gott helfen“ der Ehepaare Elisabeth (Talkmasterin Frau Krusten) und Eckart von Eyb (Herr Dr. Mücke, der das Gebet in sich selbst suchte) sowie Elisabeth (Frau Selfmade, eine Managerin, die sich eigentlich nur auf sich selbst verlässt und zum Schluss doch inbrünstig Gott im Gebet um Hilfe bittet) und Erwin Sobiella (Herr Meier, der eigentlich schon ein höheres Wesen glaubt, aber trotz Gebet immer beim Abitur durchgefallen ist) kamen die Zuschauer ins schmunzeln, aber auch zum Nachdenken über die eigenen Gewohnheiten. Alexander Graßl, alias Gerhard Polt, alias Bürgermeister von Ebermannsdorf, zeigte die Geschichte des Ortes Ebermannsdorfs und des Ortsnamens durch seine „Informations und Fakts“ auf und so mancher wunderte sich, ob er überhaupt noch in der gleichen Gemeinde wohnt. Johann Forster gab einen Dialog zweier älterer Damen zum besten, von denen die eine „neidig“ war auf den Colesterinspiegel der anderen, da man durch den abnehmen könne und sie auch einen solchen vom Arzt verschieben bekommen wolle. Einen Augenschmaus der besonderen Art boten wieder die Damen der Gymastikgruppe mit ihren Auftritten in verschiedenen Formationen, die zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen. Der Höhepunkt war jedoch das Eingeständnis „Ich © mein Dorf“
Bei einem solchen Abend werde erst bewusst, wie viele versteckte Talente es in einer Gemeinde gibt, resümierte der Moderator des Abends, Manfred Klemm.
Fazit: Wer den Agenda-Aktionstag versäumt hat sollte sich die nächste 1000-Jahr-Veranstaltung auf jeden Fall vormerken, um sich nicht wieder etwas entgehen zu lassen.
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